Woher kommt die VES, männlich 66 Jahre

Kurze Wiederholung zum Fall:

Sie werden mit dem Rettungswagen zu einem Patienten mit Thoraxschmerz und Luftnot gerufen. Die Beschwerden haben nach dem Mittagessen aus der Ruhe heraus angefangen. Ihr Patient hat regelmäßig mit Sodbrennen zu tuen, jedoch fühlt es sich für ihn diesmal ein wenig anders an. Aufgrund der typischen Beschwerden stellen sie die Arbeitsdiagnose Akutes Koronarsyndrom und schreiben ein 12-Kanal-EKG:



HF: 80/min, QRS: 92 ms


Worum handelt es sich bei den Extraschlägen?

Welcher Schenkelblockmorphologie ähneln die Extraschläge?

Wo im Ventrikel haben sie ihren Ursprung?


Letzte Woche hatten wir uns mit der Diagnosenstellung des Akuten Myokardinfarkt in diesem EKG beschäftigt. Heute soll es sich nur um die Extrasystole drehen.


Wenn wir uns den Sinusgrundrhythmus anschauen, fällt auf das zwischendurch mehrmals ein QRS-Komplex zu früh kommt. Vor diesem QRS-Komplex findet sich in diesem Fall keine P-Welle, dass bedeutet ihr Ursprung ist nicht im Sinusknoten. Zusätzlich in markant, dass der QRS-Komplex >120 ms verbreitert ist. Es handelt sich hierbei um eine ventrikuläre Extrasystole.

Jetzt stellt sich die Frage, wo genau aus dem Ventrikel dieser Extraschlag herkommt. Um das genauer herauszufinden, müssen wir uns einmal den Lagetyp der VES anschauen und ihre Morphologie in der Brustwand.


Extremitätenableitungen:


Der QRS-Komplex weist in den Ableitungen I und II eine rS Morphologie auf und hat in Ableitung III und avi ein großes R. Es handelt sich dabei um einen überdrehten Rechtstyp. Dieser kann z.B. bei einem Linksposterioren Hemiblock auftreten. Das Wissen über die verschiedenen Schenkelblöcke wird gleich noch sehr hilfreich werden!


Brustwandableitungen:


Die Morphologie der VES in den Ableitungen V1-3 ähnelt der des kompletten Rechtsschenkelblockes sehr. Wir können die VES also beschreiben als Extraschlag mit RSB (Rechtsschenkelblock) und LPHB (Linksposteriorer Hemiblock) -Morphologie.


Ein Patient der sich mit einen solchen Bifaszikulären-Block präsentieren würde, leitet die Erregung nur noch über den Linksanterioren- Schenkel des linken Tawaraschenkels.


Der linksanteriore Schenkel zieht vom His-Bündel über das interventrikuläre Septum zur Herzspitze (Apex cordis). Die VES kommt mutmaßlich auch aus dem linken Vetrikel im Bereich der Herzspitze. Beide Extrasystolen haben die gleiche Form, sind also monomorph.


Abschlussdiagnose:


SR 80/min, 2 Monomorphe Ventrikuläre Extrasystolen mit RSB/LPHB Morphologie

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