Panikattacke und Luftnot, weiblich 77 Jahre

Aktualisiert: 6. Feb.

Sie werden mit dem Rettungswagen zu einer Patientin mit Luftnot gerufen. Diese habe sich soeben mit ihrem Mann gestritten und daraufhin schlecht Luft bekommen. Sie vermutet selber, dass sie einfach nur ein bisschen Ruhe braucht und es sich um eine kleine Panikattacke gehandelt habe.

Sie schreiben ein 12-Kanal-EKG:







HF: 86/min, QRS: 88 ms


In welchen Ableitungen sind ST-Strecken-Veränderungen zu erkennen?

Sprechen diese für ein bestimmtes Myokardarreal?

Wie sind ST-Strecken-Senkungen bei einem STEMI zu werten?

Welche Zusatzableitungen sollten geschrieben werden?


Wir beginnen wie immer zuerst mit der Rhythmusdiagnose. P-Wellen sind in Ableitung II deutlich zu erkennen. Die QRS-Komplexe sind schmal und treten rhythmisch auf. Die Frequenz beträgt 86/min. Jede P-Welle wird von einem QRS-Komplex beantwortet


Der Grundrhythmus ist ein normofrequenter Sinusrhythmus HF 86/min.


Beim Lagetyp handelt es sich um einen Rechtstyp, die PQ-Zeit und die QTc-Zeit liegen im Normbereich. Es gibt keine Hinweise für eine atriale oder ventrikuläre Hypertrophy.

Der RS-Umschlag findet regelrecht zwischen V3/4 statt.


Nun zu den etwas deutlicheren Problemen der Dame. Sie hat kirchturmartige ST-Strecken-Hebungen in den Ableitungen II, III und aVF. Zusätzlich dazu ST-Strecken-Senkungen in den Ableitungen I und aVL. Dazu kommen ST-Strecken-Senkungen in den Ableitungen V2 und V3.


Die Hebungen sind in den inferioren oder auch diaphragmalen Ableitungen II, III und aVF zu erkennen. Häufig treten diese gemeinsam mit Senkungen in I und aVL auf. Diese Seitenwandableitungen stellen genau spiegelbildlich dar was auf der diaphragmalen Seite des Herzens passiert.


Die Ableitungen V2 und V3 bilden einen Teil der Vorderwand des linken Ventrikels dar. Genau wie das oben beschriebene Phänomen der spiegelbildlichen oder auch reziproken Veränderungen, zeigen sie Veränderungen der Hinterwand/posterioren Wand des Herzens an.


Es gibt einen einfachen Trick um das darzustellen.

Hier seht ihr ein Bild mit dem Senkungen in V2 und V3:


Im nächsten Schritt drehen wir das EKG um 180 Grad, so das es nun auf dem Kopf steht:



Nun sehen wir auch die Hebungen über der posterirren Hinterwand des Herzens.

Alternativ hierzu bietet es sich auch an die Zusatzableitungen V7-9 zu schreiben.


Abschlussdiagnose:


inferoposteriorer STEMI

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