Retrosternaler Druck, männlich 59 Jahre

Heute gibt es den zweiten Fall aus der Reihe der Fälle von Leser*innen. Der heutige Fall kommt von Zoé aus Köln. Sie ist Notfallsanitäterin und Medizinstudentin.


Zusammen mit dem NEF werden sie zu dem Einsatzstichwort „Akuter Thoraxschmerz“ alarmiert. Sie finden einen 59-jährigen Patienten vor, der sichtlich erschöpft und tachypnoeisch auf der Couch sitzt. Der Patient spricht russisch, zeigt sich mehrfach auf die Brust und den linken Arm. In der Dauermedikation bestehen Simvastatin und Pantoprazol, kardiale Vorerkrankungen bestünden laut Arztbrief keine.

Ein 12-Kanal EKG ergibt folgendes:


HF 98 bpm, zusätzlich RR 189/110 mmHg.


In welchen Ableitungen sind ST-Strecken-Hebungen zu sehen?

Welches Myokardgebiet ist daraus resultierend betroffen?

Welches Koronargefäß ist höchstwahrscheinlich verschlossen?



Interpretation:

Es zeigt sich ein Linkstyp, P-Wellen sind vorhanden, die QRS-Komplexe sind mit 98 ms physiologisch. Zu sehen sind ST-Hebungen über nahezu der gesamten Vorderwand sowie in I und aVL. Zusätzlich zeigen sich überhöhte T-Wellen in V2-V6. Das EKG zeigt fängt die Übergangsphase vom Erstickungs-T zur ST-Streckenhebung ein und präsentiert somit einen akuten anterolateralen Myokardinfarkt, wahrscheinlich aufgrund eines Verschlusses des proximalen RIVA. Des Weiteren sind in II, III und aVF reziproke ST-Senkungen zu sehen. Die R-Progression ist verzögert und der Umschlagspunkt liegt zwischen V4/V5. Dem Patienten werden 500 mg ASS, 5.000 IE Heparin, 5 mg Urapidil, und 5 mg Morphin verabreicht. Der Patient wird mit dem Tragestuhl zum Rettungswagen gebracht und dort umgelagert

Beim Einladen in den RTW erbricht der Patient und verdreht die Augen…

Nächste Woche geht es weiter!



Kommentar:

Die ST-Strecken-Hebungen sind wirklich sehr beeindruckend und eindeutig. Die T-Wellen sind in so einer Art und Weise verbreitert und erhöht, dass sie an einen Grabstein erinnern. Deswegen beschreibt man sie auch als "Tombstoming". Die ST-Streckenhebungen sind mit 4-6 mm ebenfalls extrem stark ausgeprägt.




Weiterführende Literatur:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2842959/

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