Palpitationen beim Hausarzt, männlich 68 Jahre

Sie werden alleine mit dem Rettungswagen zu einer Hausarztpraxis in der Nähe alarmiert. Es handelt sich bei ihrem Patienten um einen 68 jährigen Mann, der seit dem Abend zuvor immer wieder einen unangenehm schnellen Herzschlag spürt. Zusätzlich hat er Episoden wo ihm schwarz vor den Augen wird und er das Gefühl hat in Ohnmacht zu fallen. Dies sei bisher jedoch noch nicht passiert. Es sind keine kardialen Vorkerkrankungen beim Patienten bekannt

Sie schreiben folgendes 12-Kanal-EKG:



Herzfrequenz: 145/min, QRS: 89 ms


Gibt es P-Wellen oder andere Anzeichen für eine Vorhofaktivität?

Welche Differentialdiagnosen gibt es für einen unregelmäßige Schmalkomplextachykardie?



Auflösung:


Es sind keine regelmäßigen P-Wellen zu erkennen. Somit können wir schonmal die Sinustachykardie als Ursache ausschließen. Zu den Differentialdiagnosen gehören vor allem:


  1. Tachyarrhythmia Absoluta

  2. Vorhofflattern mit wechselnden Überleitungen


Es gibt in den inferioren Ableitungen eigentlich keine isometrische Linie, sondern diese ist sehr unruhig. Sie erinnert fast ein bisschen an die Zähne einer Säge. Diese Art von Vorhofaktivität haben wir schon in ein paar vorangegangenen Fällen besprochen. Es handelt sich hierbei um ein Vorhofflattern. Dieses hat eine Grundfrequenz von ca. 300/min und wird durch den AV-Knoten häufig soweit ausgebremst, dass nur jede zweite oder dritte Erregung auf die Kammer übergeleitet wird. Im obigen Fall liegt meistens eine 2:1 Überleitung vor, jedoch wechselt diese zwischendurch auf eine 3:1 Überleitung. Deswegen ist der Rhythmus nicht mehr vollständig regelmäßig. Das 12-Kanal-EKG aus dem Krankenhaus zeigt die hohe Vorhoffrequenz sehr schön in Ableitung V3 in der Brustwand:



Nächste Woche geht es mit diesem Fall noch weiter, also dran bleiben!

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