Kopfplatzwunde und ein zufälliges 12-Kanal-EKG, männlich 81 Jahre

Sie werden mit dem Rettungswagen in ein nahegelegenes Altenheim zum häuslichen Sturz alarmiert. Der Patient ist ein 81 jähriger Mann, der auf dem Weg zum Mittagessen über die letzte Treppenstufe gestolpert ist. Die Platzwunde an der Stirn wurde bereits durch das Personal vor Ort versorgt. Im war nie schwindelig und er hatte vor dem Sturz keine Beschwerden. Auf die Frage welche Medikamente er einnehmen würde sagt er, dass es sehr viele sind und er sie sich nicht alle merken kann. Zur vollständigen Untersuchung wollen sie noch ein EKG machen.

Sie schreiben folgendes 12-Kanal-EKG:


Herzfrequenz: 72/min, QRS: 88 ms


Welche Rhythmusstörung hat der Patient?

Gibt es Veränderungen der ST-Strecken und wenn ja, welche Form haben sie?

Kann man aufgrund des EKG´s auf ein bestimmtes Medikament beim Patienten Rückschlüsse ziehen?



Auflösung:


In keiner der 12 Ableitungen sind P-Wellen zu erkennen, die QRS-Komplexe sind schmal und treten mit unterschiedlichen Abständen auf. Die durchschnittliche Frequenz liegt bei ca. 70/min. Es handelt sich also um ein normfrequentes Vorhofflimmern.


Beim Lagetyp handelt es sich um einen Steiltyp. Es sind in mehreren Ableitungen leichte ST-Strecken Senkungen erkennbar. Diese haben eine charakteristische Morphologie. Sie sind muldenförmig und gehen zum Ende in eine positive T-Welle über. Diese Form wird häufig mit dem Bart von Salvador Dali verglichen, hier ein Bild:


https://static.wixstatic.com/media/194e04_0e36dddf7a5143da8e28d75e800cf381~mv2.jpg/v1/fill/w_469,h_498,al_c,lg_1,q_90/194e04_0e36dddf7a5143da8e28d75e800cf381~mv2.jpg

Diese ST-Veränderungen sind ein typisches Zeichen für die Einnahme vom Medikament Digitoxin, welches im Rahmen der Frequenzkontrolle von Vorhofflimmern eingesetzt wird.





Es bedeutet nicht, dass diese Patienten überdosiert wurden, sondern sprechen nur für die generelle Einnahme dieses Medikaments.


Ursächlich für dieses EKG-Bild sind Veränderungen der atrialen und ventrikulären Depolarisation die zu Repolarisationsstörungen führen.


Durch den kurz darauf gefundenen Medikamentenplan bestätigte sich diese Annahme und ein Entlassbrief von vor 3 Monaten aus dem Krankenhaus beschrieb die gleichen EKG-Veränderungen wie oben zu sehen.


Der Patient wurde ins nahegelegene Krankenhaus mit Unfallchirurgie gebracht.


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