Innere Unruhe und Schlaflosigkeit, männlich 77 Jahre

Sie werden mit dem Rettungswagen in eine Einfamilienhaus gerufen zum unklaren Notfall. Der Patient gibt an seit ca. 6 Tagen nicht richtig schlafen zu können und seit heute Nackenschmerzen zu haben. Vor einigen Wochen war er im Krankenhaus, weil er einen Herzinfarkt hatte. Er hat einen Stent bekommen und soll eigentlich in ein paar Tagen zur Reha. Er bittet sie ihm ein Beruhigungsmedikament zu geben um endlich in Ruhe schlafen zu können. Um nichts zu übersehen untersuchen sie den Patienten von Kopf bis Fuß.

Sie schreiben folgendes 12-Kanal-EKG:


Herzfrequenz: 82/min, QRS: 123 ms


Woher kommt die QRS-Verbreiterung?

Welche Kriterien können genutzt werden um ST-Streckenveränderungen im Rahmen eines Schenkelblocks zu beurteilen?



Auflösung:


In den Ableitungen II und III sind eindeutige P-Wellen zu erkennen, jede wird von einem QRS-Komplex beantwortet. Sie treten regelmäßig auf und haben eine Frequenz von ca. 80/min. Der QRS-Komplex ist mit 123 ms knapp verbreitert.

Es handelt sich also bei Rhythmus um einen normfrequenten Sinusrhythmus.


Die PQ-Zeit beträgt knapp etwas mehr als 2 große Kästchen, ist also auf über 200 ms verbreitert. Es liegt ein AV-Block I vor. Beim Lagetyp handelt es sich mit großen R-Zacken in den lateralen Ableitungen I und aVL sowie den tiefen S-Zacken in II und III um einen überdrehten Linkstyp.


Da die ventrikuläre Depolarisation leicht verlängert ist, liegt am ehesten eine Leitungsstörung vor. Es könnte sich um einen kompletten Linksschenkelblock handeln oder um eine unspezifische intraventrikuläre Leitungsstörung. Diese treten bei Kardiomyopathien oder generell bei Schädigungen der Purkinje-Fasern auf.


Es fallen in II, II, aVF sowie in der Brustwand deutliche ST-Streckenhebungen auf. Obwohl hier schon die Diagnose eines ST-Strecken-Hebungsinfarktes gestellt werden kann, habe ich einmal die modifizierten Sgarbossa Kriterien nach S. Smith angewandt. Hierbei zeigt sich, dass das Kriterium C, die unverhältnismäßige Diskordanz über den Grenzwert von 25% deutlich erfüllt ist.


Es könnte sich um eine In-Stent Thrombose handeln. Obwohl die Alarmierung dies nicht Vorhersehen lassen hat, wurde auch hieraus ein Notfall.






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