Auflösung von Teil 3: Männlich, 70 Jahre Brustschmerzen seit 30 min. Keine Vorerkrankungen.

Der Fall geht in eine weitere Runde. Hier nochmal eine kurze Zusammenfassung des Patienten:

Sie werden als Rettungswagen solo zu einem 70 jährigen Patienten gerufen. Dieser berichtet ihnen, dass er seit ca. 30 min. Auf der rechten Brustseite retrosternalen Druck verspüre. Dieser zieht nun in den linken Arm bis in den kleinen Finger. Der Patient ist kaltschweißig. Es sei das erste Mal, dass ihm so etwas passiert sei, er nehme bis jetzt keine Medikamente und habe auch keine Vorerkrankungen. Sie schreiben ein 12-Kanal-EKG:





Plötzlich ändert sich das EKG-Bild erneut komplett.

Welche Veränderungen fallen dir auf?

Was für ein Rhythmus liegt hier vor?


Auflösung:


Die Herzfrequenz liegt ca. Bei 90/min. P-Wellen sind keine zu erkennen. Die QRS-Komplexe sind sehr stark verbreitert auf über 140ms. Die QRS-Komplexe sind rhythmisch, wobei es zwischenzeitig immer wieder zu Rhythmuswechseln in den Sinusrhythmus kommt.


Also eine rhythmische Breitkomplextachykardie ohne P-Wellen.


Mit einer Frequenz von 90/min ist der Rhythmus eigentlich zu langsam für eine Ventrikuläre Tachykardie und viel zu schnell für einen Kammerersatzrhythmus.


Dennoch kommt die Erregung aus der Kammer. Es handelt sich bei dem obigen EKG-Bild um einen akzelerierten idioventrikulären Rhythmus, kurz AIVR.

Dies ist ein beschleunigter Kammerrhythmus der auch Reperfusionsrhythmus genannt wird.


Der AIVR tritt im Rahmen eines Koronarverschlusses auf, wenn es zur passageren Reperfusion des Myokard kommt. Der Körper oder unsere präklinischen Therapie sorgen dafür, dass das betroffene Myokard wieder ein bisschen sauerstoffreiches Blut erhält.


Die Therapie dieser Rhythmusstörung ist die Behebung der zugrundeliegenden Ursache, also dem Myokardinfarkt. Es handelt sich um eine gutartige Rhythmusstörung, welche keinerlei medikamentöse Therapie benötigt.

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