Auflösung: Leistungsknick seit einer Woche bei einer 71 jährigen Frau

Sie werden als Rettungswagen durch den Ehemann alarmiert. Seine Frau habe seit einer Woche Probleme, wenn sie länger spazieren sind oder beim Treppen steigen. Sie bekäme schlechter Luft und verspüre ihren Herzschlag sehr intensiv. Bei ihr sei bis auf einen Bluthochdruck keine Vorerkrankungen bekannt. Sie schreiben ein EKG:



Kommen wir nun zur Auflösung:


Fangen wir mit der Rhythmus-Analyse an. Es sind keine P-Wellen zu erkennen, die QRS-Komplexe sind schmal, bis auch drei Ausnahmen. Die Abstände der QRS-Komplexe wechseln von Schlag zu Schlag, sind also komplett unregelmäßig.

Bei solchen unregelmäßige Herzrhythmen ist die Einschätzung der Frequenz deutlich erschwert. Die Lösung hierfür ist es einen Durchschnitt der Herzaktionen zu ermitteln. Im obigen EKG wird bei einer Schreibgeschwindigkeit von 50mm/s insgesamt 25mm aufgezeichnet. Das entspricht 5 Sekunden. Um nun die Herzfrequenz zu bestimmen, muss die Anzahl der QRS-Komplexe mit 12 multipliziert werden um auf die HF/min zu kommen. Insgesamt sind 10 QRS-Komplexe sichtbar. Es handelt sich also ca. um eine Herzfrequenz von 120/min.


Beim Rhythmus handelt es sich um ein tachykardes Vorhofflimmern (TAA).


Für die breiten Komplexe gibt es 2 Differenzialdiagnosen:

  1. monomorphe Ventrikuläre Extasystolen aus dem RVOT

  2. Ashmen Phänomen

Es könnte sich dabei um monomorphe VES handeln. Diese treten auch bei Herzgesunden Menschen auf und haben häufig ihren Ursprung im rechtsventrikulären Ausflusstrakt. Hierdurch entsteht die prägnante Lagetypabweichung nach rechts (inferiore Achse= II,III und aVF prominente R-Zacken). In der Brustwand findet sich häufig eine LSB-Morphologie.


Beim Ashmen-Phänomen handelt es sich um eine typische Beobachtung beim Vorhofflimmern. Kurz zusammengefasst: Die Reize der Flimmerwellen werden unregelmäßig auf die Kammern übergeleitet. Irgendwann kommt es dazu, dass ein Tawaraschenkel (in den meisten Fällen der rechte) noch nicht wieder bereit dafür ist einen Reiz auf die Ventrikel überzuleiten, da er sich noch regenerieren muss. Hierdurch entsteht ein kurzzeitiger Schenkelblock. Beim nächsten Reiz aus dem Vorhof hat sich der Schenkel wieder erholt und kann wieder ganz normal arbeiten. Die QRS-Komplexe sind wieder schmal.


Ein Vorhofflimmern kann dem Patienten bis zu 25% seines Herzminutenvolumens nehmen, da die geordnete Kontraktion der Vorhöfe ausfällt. Dies steigert nicht nur das Risiko für Thrombenbildung, sondern verringert auch die Ventrikelfüllung in der Diastole.

Tritt das VHF plötzlich auf, beschreiben Patienten Herzrasen, Unwohlsein oder auch Belastungsdyspnoe.


Die Patientin wurde zur weiteren Untersuchung in die Klinik gebracht, der Verlauf ist leider nicht bekannt.

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