Auflösung: Akutes Nasenbluten und ein zufälliges 12-Kanal-EKG. Männlich, 77 Jahre

Sie werden mit dem Rettungswagen zu einem 77 jährigen Mann gerufen. Dieser hat seit einer Stunde Nasenbluten welches jedoch inzwischen schon fast wieder aufgehört hat. Sonst hat er keine weiteren Beschwerden und fühlt sich gut. Die Vitalparameter sind unauffällig. Ihr Notsanschüler ergänzt das 6-Kanal-EKG und fragt sie dann: „Guck mal, dass sieht irgendwie merkwürdig aus“. Der Patient berichtet ihnen, dass bei ihm eine EKG-Veränderung bekannt sei, er jedoch nicht genau wüsste welche.


Hf: 75/min, QRS: 138ms


Kommen wir nun zur Auflösung


Nach P-Wellen muss man ein bisschen suchen. Hier sind die Ableitungen II und V1 leider nicht sonderlich hilfreich. In diesem Fall müssen wir in allen 12 Ableitungen schauen und können dann doch schließlich in V3 und V4 vor jedem QRS-Komplex eine P-Welle erkennen. Die QRS-Komplexe sind verbreitert und tauchen regelmäßig mit einer Frequenz von 75/min auf. Es handelt sich hierbei also um einen normofrequenten Sinusrhythmus.


Was verursacht also die Verbreiterung der QRS-Komplexe?


Mit eine der häufigsten Ursachen hierfür ist eine Blockierung des linken oder rechten Tawaraschenkels. Die Kammer muss nun vom jeweils anderen Schenkel mit erregt werden. Dies verzögert die Ausbreitung in den Kammern und sorgt im EKG für eine Verbreiterung der QRS-Komplexe über 120ms.


In diesem EKG handelt es sich um einen kompletten Linksschenkelblock. Dieser verursacht tiefe S-Zacken in den Ableitungen V1-3.



Die typischen QRS-Deformierungen findet man in den lateralen Ableitungen I, aVL, V5 und V6. Diese kann M-förmig sein, oder eine Kerbung haben.



In Ableitung I findet man die typische M-Form:



In Ableitung V6 findet man die Kerbung/Knotung in der R-Zacke:



Es handelt sich also um bei diesem EKG um einen normofrequenten Sinusrhythmus mit einer Frequenz von 75/min und einem kompletten Linksschenkelblock. Auf diesen wird in folgenden Fällen noch näher eingegangen.


Bei einem kompletten LSB sind Erregungsrückbildungsstörungen in bestimmtem Maß normal. Dies macht die Infarktdiagnostik schwieriger. Sie treten aufgrund der veränderten Kammerdepolarisation auf. Man spricht von sekundären ERBST. Primär wären sie, bei normaler Kammerdepolarisation beispielsweise im Rahmen einer Ischämie.

Mehr dazu bald. (Bei Intresse einfach mal nach den modifizierten Sgarbossa Kriterien von Steven Smith schauen.)


Im alten Entlassbrief sehen sie, dass ein kompletter Linksschenkelblock aufgrund einer ischämischen Kardiomyopathie bereits vorbeschrieben ist. Da das Blockbild vorbekannt ist und der Patient keine typische Angina-Pectoris oder vergleichbare Symptome aufweist, ist hier nicht von einem akuten Koronarsyndrom auszugehen.


Der Patient wurde in eine Klinik mit HNO-Abteilung gebracht und dort weiterbehandelt.


Mehr zu dieser Thematik und fantastische Info‘s findet ihr hier:

https://www.fokus-ekg.de/inhalt-von-a-z/leitungssstörungen/linksschenkelblock/


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